Dezember (II)

Kaikoura-Christchurch

Neuseeland - klein oder gross? Die Perspektive ist entscheidend! Gross: zu viele interessante Ecken (das Leben ist nicht lang genug, wie sollen da ein paar Monate ausreichen? So plagen wir uns mit der laestigen Frage herum, was wollen wir und was ist denkbar.), gross; wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist; jeden Abstecher - und seien es nur 5 km - ueberlegen wir uns gut. Gross sind die Entfernungen zwischen Orten, so dass wir meist fuer 2-4 Tage Lebensmittel die Huegel hinaufschleppen. :-( Klein. Die Vielfalt der Landschaften, durch die wir bisher geradelt sind, ist immens; selten muessen wir uns endlosen Strecken der Oednis stellen... Naturlicher Luxus! Klein sind die meisten Ortschaften; mal 'ne Tankstelle oder gar ein kleiner Lebensmittelladen erfreuen unsere Shopping-Herzen zwischendurch. Klein. --> "See ya!" - Wir sehen uns! Als laxe Abschiedsformel ueblich, trifft dies doch haeufig zu. So treffen wir in Kaikoura eine Wuppertaler Familie wieder, die wir schon auf der Nordinsel kennengelernt hatten: Ute, Mario, Anton (4) und Marlene (2). Die Kinder sind gluecklich! Insbesondere Jona und Anton haben Spass miteinander. Gemeinsames Pizzaessen am Strandspielplatz, eine Wanderung ueber die Klippen zu einer Robbenkolonie, Stockbrot am Lagerfeuer, in den Buechern der anderen schmoeckern... fast vier Tage verbringen wir miteinander. Dann zieht's uns weiter nach Sueden. Wir verlassen die Pazifikkueste und kaempfen uns die Huegel des Hinterlandes hinauf; noch dazu gesellt sich ernster Gegenwind - zermuerbend! Jeder Huegel bietet eine Belohnung, nicht so der Gegenwind...das meditative Fahren wird ploetzlich zur harten Psychonuss. Schliesslich kommen wir in Waipara, einer Weinregion unweit von Christchurch, an. Und uebernachten dort in alten Eisenbahnwaggons...ein sehr originelles und schoen gelegenes Backpacker Hostel. Am naechsten Tag rollen wir nach Christchurch; diesmal legen wir die 60 km bis mittags zurueck - kein Gegenwind! :-))

Christchurch

Die erste groessere Stadt Neuseelands, die uns und selbst den Kindern gefaellt. Wo wir sonst schon nach den ersten 2 Stunden Staedten wie Auckland oder Wellington den Ruecken kehren wollten, wirkte Christchurch einladender...breitere, luftigere Strassen, weniger Hochhaeuser, der grosse, zentrale Platz - Cathedral Square - mit einer britisch anmutenden Kathedrale, eine 100 Jahre alte Strassebahn - wenn auch nur vor einigen Jahren fuer Touristen wieder in Betrieb genommen, der grosse Hagley Park, River Avon, der sich durch die Stadt windet...Und trotzdem wir zwei Tage vor Weihnachten dort ankamen, wirkte der Rummel auf uns sehr gemaessigt. Dreimal kreuzten unsere Wege die Stadt...von Norden kommend kurz vor Weihnachten, auf dem Rueckweg von Arthurs Pass und nach unserem 4-Tage-Reisebatterien-Wiederauflade-Stopp auf der Banks Peninsula. Das dritte Mal um dort die Silvesternacht zu verbringen. Ein kleines Highlight fuer Lara & Jona war der Besuch des Canterbury Museums. Hier hatten sie sich fuer Kinder etwas Besonderes ausgedacht: ein Weihnachtsmannsuchspiel; so dass ploetzlich einer am Steuer eines Antarktisfahrzeugs sass oder ein weiterer fand sich in einer Hoehlennachbildung wieder...mit so viel Interesse sind Lara und Jona noch nie durch ein Museum gelaufen. Obwohl wir bei unseren bisherigen Museumsbesuchen immer erstaunt waren, wir fasziniert die beiden meistens waren; alles was mit Maoris zu tun hatte, fanden sie besonders spannend. Natuerlich abgesehen von Jonas Vorliebe fuer ausgestofte Tiere...Silvester ist heute! Die Kinder und Anja schlafen gerade vor, ich hacke die letzten News ein und in drei Stunden werden wir das neue Jahr auf dem Cathedral Square begruessen - 12 Stunden vor Euch in Europa...

Weihnachten in den Bergen

Schon bevor wir Koeln verliessen, hatte uns der Gedanke an ein Weihnachten im Warmen die Vorfreude auf dieses Fest immens gesteigert. Anfangs dachten wir auch noch, wir halten's wie der Durchschnitts-Kiwi: Grillen am Strand. Doch es kam alles anders... Weihnachten vorm Zelt allein an einem Bergsee. Statt Fondue gab's pochierte Karoettchen und Roeschen des Brokkolis an Reis auf dem Gaskocher zubereitet; die bullernde Heizung wich dem Lagerfeuer. Die Highlights der Bescherung waren das Paket Oma Giselas und Briefe von Nina und den Christmaennern. Doch aehnlich wie zuhause konnten Lara und Jona den Abend kaum erwarten :-) Und Ihr? Wart wahrscheinlich noch gar nicht wach um 6 Uhr am heiligen Morgen...die Neuseelaender feiern natuerlich erst am 25.12. Den verbrachten wir auf einer wunderschoenen Strasse auf dem Weg zu einem 970 m hohen Pass. Von Christchurch waren wir mit dem Zug - ja, es gibt sogar drei Bahnlinien in NZ - in die neuseelaendischen Alpen zum Arthurs Pass vorgedrungen. Eine traumhafte Bahnfahrt!! Der Zug windet sich langsam von Meereshoehe auf gute 700 m, ueberquert dabei einige spektakulaere Schluchten und biete natuerlich wunderbare Ausblicke auf die Berge. Die Schneereste haetten in der Sonne glitzern koennen, wenn es nicht gepladdert haette...gluecklicherweise riss der Himmel ab und zu auf, so dass wir einen kleinen Gang zum Devil's Punchbowl Wasserfall wagen konnten; aus 130 m Hoehe donnert dort das Wasser in die Tiefe, die Gischt durchnaesst uns mehr als der Regen zuvor, Regenboegen fuellen die Luft. Ueberhaupt haben sich Lara und Jona zu guten Wanderern entwickelt...2-3 h bewaeltigen sie sogar mit Spass :-)) Je kurviger und schmaler der Pfad, desto besser. Am 2. Weihnachtstag wachten wir bei Regen auf; wir hingen fast in den Wolken. Rauf auf die Raeder, noch 100 Hoehenmeter bis zum Porters Pass - und unserer Tagesrekordleistung entgegen: von 950 m auf Meereshoehe nach Christchurch, vom Regen in die Sonne, 90 km in 3 Stunden mit sattem Rueckenwind...Weihnachten 2003.

Onuku - unser Ruhepol

Es war mal wieder an der Zeit an einem Orte etwas laenger zu verweilen...Lara und Jona merken wir es relativ schnell an, wenn sie der Reise muede werden. Dann haeufen sich die Fragen nach dem Zeitpunkt unserer Rueckkehr nach Koeln oder warum wir hier oder da nur eine Nacht bleiben. Jona bedauert es auch, viele seiner "Lieblingstage" (St. Martin, Nikolaus, Weihnachten und Karneval) nicht in Koeln verbringen zu koennen. Auch uns geht es das erste Mal seit unserer Abreise so, dass wir das Beduerfnis nach Bleiben, nach nicht immer den gleichen Fragen und Erzaehlungen, nach Freunden und Familie haben. Da kam das Onuku Farm Hostel gerade recht. 75 km oestlich von Christchurch auf einer vulkanischen Halbinsel auf 200 m Hoehe im Nichts gelegen, bietet es einen wunderbaren, ruhigen Ort mit Raum fuer die Kinder, traumhafte Ausblicke auf den Naturhafen von Akaroa, Matten zum Haengen und mehr...so waren wir gemeinsam mit Kayaks unterwegs, um Delphine aus der Naehe zu erleben ("Hector"-Delphine!, wuerde mich Jona jetzt verbessern :-)); auch ein Pinguin schwomm an uns vorbei. Einen anderen Nachmittag verbrachrten wir angelnd; einfach von den Felsen aus fingen wir 6 leckere Fische (sooooo gross!) Viel Zeit zum Malen, Lesen, Spielen...und Planen - eine Lieblingsbeschaeftigung?! Nach vier Tagen waren wir wieder soweit, die Fahrradtaschen zu packen und zurueck nach Christchurch zu fahren. Danach geht's weiter Richtung Mount Cook und Fjordland, wo wir uns in den kommenden drei Wochen aufhalten werden.

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...und hier gibt’s noch mehr Bilder.