Februar (I)

Der Westkueste den Ruecken

Auf dem Rueckweg Richtung Norden verlassen wir die Westkueste und winden uns am teils in tiefen Schluchten fliessenden Buller River entlang. Nachdem wir die ersten 10 km noch trocken zuruecklegten, lernen wir heute endlich den Unterschied zwischen leichtem, mittlerem und starkem Regen kennen. Die Wolken haengen tief in den Taelern und trotz des Regens laben wir uns an der Atmosphaere. Ploetzlich kommen uns zwei winkende Radfahrer entgegen: Achim und Vera aus Koeln. Sie hatten den Artikel im Koelner Stadtanzeiger ueber uns gelesen und sind im gleichen Zeitraum wie wir unterwegs in NZ...so war es nur eine Fragen der Zeit, wann wir uns treffen. Endlich mal wieder rheinischen Singsang hoeren :-)) Nass bis auf die Unterhose bleibt uns nur ein Landpub als Mittagsstopp. Das Essen in solchen Restaurationsbetrieben ist eher auf der rustikaleren Seite angesiedelt; so lassen sich die Kinder immer mit Fritten gluecklich machen. Anja und ich muesssen in der Regel mit dem kleinsten unfleischigen Uebel a la Dosensalat und Backkartoffeln zufrieden sein. Doch bei Dauerregen wird selbst ein Landpub zum 1st-class Restaurant...Landschaftlich fuehlen wir uns teilweise in die Eifel versetzt. So empfinden wir diesen Streckenabschnitt als sanft und wenig spektakulaer. Trotz zweier Zwangspausen - nach 2500 km zeigte der Mantel meines Hinterrades erste Schwaechen, zwei Platten in kurzer Folge waren das Resultat - legen wir diese Strecke fuer unsere Verhaeltnisse schnell zurueck. Die Naechte verbringen wir in einem alten Farmhaus, im Zelt und in einer Radfahrerherberge. Trotz der Huegel geniessen wir das Radeln immer noch; auch Lara und Jona haben das Radfahren inzwischen als bevorzugte Art des Reisens entdeckt (die zwischenzeitlichen Auto- und Busfahrten konnten nicht ueberzeugen; obwohl Lara spaeter, wenn sie gross ist, durch NZ mit dem Auto reisen moechte...). Es erstaunt uns immer wieder, dass Lara und Jona selbst Regentage ohne Murren ertragen. Auch Motueka - wieder an der Nordkueste der Suedinsel - empfaengt uns mit Regen...die Neuseelaender sprechen vom schlechtesten Sommer seit Jahren.

Pack die Badehose aus! - Motueka und der Abel Tasman Nationalpark

Seit zwei Wochen und seitdem wir Wanaka verlassen haben, bleiben wir mal wieder in einer "Stadt" mit mehr als 500 Einwohnern...Vorraete aufstocken, einen neuen Fahrradmantel kaufen, ein Museum besuchen, gemuetlich im Cafe sitzen - froh zu sein bedarf es wenig. Von hier aus wollten wir urspruenglich eine mehrtaegige Kayaktour in den nahgelegenen Abel Tasman Nationalpark starten, doch leider sind Lara und Jona noch etwas jung gemaess der Sicherheitsbestimmungen der Kayakverleiher. Einsame Traumbuchten, Felseninseln mit Robbenkolonien, Delphine und vielerlei Seevoegel verheissen Natur pur. Stattdessen lassen wir uns per Wassertaxi in eine der Buchten bringen, wo wir zelten, die Umgebung per pedes erkunden und das Strandleben geniessen. Tut gut! Die Kinder tummeln sich in der Lagune, suchen Muscheln und Krebse und finden schnell andere Kinder zum Spielen. Faszinierend zu sehen, wie leicht sich die beiden auf neue Umgebungen und Menschen einstellen...haben sie eine andere Wahl? :-)) Beruehrungsaengste haben sie kaum. Insbesondere Lara macht auch grosse Spruenge im Englischen und hat Spass dabei. Wo immer es etwas zu bestellen gibt oder einzukaufen, uebernimmt sie dies und ueberrascht uns mit ihrem Wortschatz.

Kaiteriteri - Familienbegegnungen und Urlaub

Zurueck aus der Traumbucht machen wir in einem kleinen Oertchen am Suedrand des Abel Tasman N.P.'s erstmal Urlaub. Wie bitte?? Kaiteriteri - ein typischer Urlaubsort der Neuseelaender: grosser Campingplatz, ein Strand mit Rampe fuer Motorboote (Minimalkriterium fuer Kiwis), kleiner Laden und zwei, drei Caferestaurants - besticht uns durch seine Normalitaet und durch einen fast unglaublichen Zufall. Wir treffen hier eine fahrradfahrende Familie aus Karlsruhe wieder, die wir vor einem Monat schon einmal in der Naehe des Mt. Cooks sahen: Frank, Kirsten mit Jonas (6) und Laura (4). Die Kinder schliessen sofort Freundschaft und wir sehen sie drei tagelang nur zu den Mahlzeiten. Ansonsten pendeln sie zwischen zwei Spielplaetzen und dem Strand. Genauso geniessen wir die ungewohnte Freiheit und bewegen uns vom Fruehstueckstisch zum Strand, von dort zum Cafe und wieder zum Strand, lassen die Seele und die Beine baumeln und philosophieren ueber das Leben. Zwei wichtige Erkenntnisse nehmen wir in jedem Fall fuer uns von dieser Reise mit: 1. wir sind nicht die einzigen, die den Schritt gehen, ihr "normales" Leben zu unterbrechen, um zu reisen und 2. eine laengere Reise mit Kindern geht und macht Spass! So trafen wir in der letzten Woche neben den Karlsruhern auf vier verschiedene Reisefamilien: ein schottisches Motorradfahrerpaerchen, seit zweieinhalb Jahren unterwegs, das waehrend ihrer Reise ein Kind bekamen und dann einen Beiwagen brauchten, eine Eifler Familie mit zwei Kindern (3 + 6), die per Mototrrad und Beiwagen 5 Monate auf Tour durch NZ sind, eine israelische Familie mit vier (!) Kindern (8 + 10 + 12 + 13), die ein Jahr lang auf Reisen sind - wandern in Nepal und Indien, Strandurlaub in Suedostasien, mit dem Wohnmobil durch NZ und Australien und auf Thomas und Sabine aus Freiburg, die ebenso mit zwei Kindern (3 + 1) fuer zwei Monate per Rad unterwegs sind.

Kaiteriteri, Nelson, Picton - Die letzten Kilometer auf der Suedinsel

Nach unserem Familien-Strand-Urlaub fiel es uns schwer, unsere Sand- und Cafe-Hintern wieder an Fahrradsaettel zu gewoehnen...insbesondere da eine unvermeidbare, verkehrsreiche Strecke durch Obst- und Waldwirtschaftsgebiete vor uns lag. Birnen, Pflaumen, Aepfel, Aprikosen, alles frisch vom Baum, koestlich! Die Kiwis sind noch nicht ganz reif, haengen aber schon dick an den Reben. Die eigentliche Liebe der Neuseelaender jedoch gilt den Feijoas, einer einheimischen Frucht, von der uns schon seit unserer Ankunft in NZ mit gluehenden Augen und mit Wasser im Munde vorgeschwaermt wird. Diese sind allerdings erst im Maerz reif; wir koennen es kaum erwarten! In Nelson - "the sun city" - stolpern wir auch das erste Mal ueber einen schoenen Markt, auf dem frisches Obst und Gemuese feilgeboten wird. Daneben zeigen Kuenstler ihre Stuecke und es finden sich seltsame Leute wie beispielsweise ein deutscher, eingewanderter Vollkornbaecker. Das am Markt gelegene Cafe ruft nach einem Latte fuer Anja, einem Fluffy ( einer kleinen, aufgeschaeumten Milch) fuer Jona, einer Hot Chocolate fuer Lara und einem Cappucino fuer mich, bevor wir uns den den letzten 100 Kilometern auf der Suedinsel gen Picton zuwenden. Gaebe es eine Weltmeisterschaft im Kaffeedesign, haette NZ gute Chancen auf die Goldmedalle. Serviert in wunderbaren Tassen garniert mit Schaumblumen und Zimt- oder Kakaomustern, schmerzt es uns fast diese Kunstwerke zu zerstoeren und rabiat dem nichtssagenden Gemenge in unseren Maegen hinzuzufuegen. Leider werden uns die letzten km, ebenso wie die ersten, auf der Suedinsel regnerisch in Erinnerung bleiben. Einige Neuseelaender unken sogar, der Herbst stehe vor der Tuer...ein guter Zeitpunkt gen Norden zu reisen! Dort sind auch schon erste blaue Loecher am Himmel zu erkennen...Nordinsel, wir kommen!!

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...und hier gibt’s noch mehr Bilder.