Februar (II)

Zurueck auf der Nordinsel

Drei Stunden bevor in Picton, dem Faehrhafen der Suedinsel, der Notstand aufgrund der starken Regenfaelle ausgerufen wurde, verliessen wir die SUedinsel per Faehre. Die Ueberquerung der Cook Strait ging nicht ganz ohne gruene Gesichter vorueber - Lara war etwas mehr uebel. Jona zog den Schlaf vor, wahrscheinlich erschoepft von dem wunderbaren Erlebnis endlich mal richtige (grosse) Delfine im Fahrwasser der Faehre gesehen zu haben. Wellington empfing uns mit einigen blauen Loechern...dennoch wollten die Kinder lieber noch einmal ins "Te Papa"-Museum, das sie schon bei unserem ersten Wellington-Besuch begeistert hatte. Internet-Cafe, Post abholen, Vorraete auffuellen...am naechsten Tag sollte es weite in die brodelnde Mitte der Nordinsel, zum Tongariro Nationalpark, mit der Bahn gehen. Doch die Regenfaelle hatten insbesondere dem Suedosten der Nordinsel ernsthafte Schaeden beigebracht. Die Bilder des Jahundertunwetters liessen Erinnerungen an die Ueberschwemmungen in Ostdeutschland wach werden. Strassen und Bahnstrecken waren blockiert, Ernten vernichtet und zureueck blieben im Schlamm versunkenen Haeuser. So wurde auch aus unserer Bahnreise nichts. Stattdessen wurden wir in einen Bus verfrachtet, der uns durch die Ueberschwemmungsgebiete gondelte...diesmal fand Jona die Busreise echt uebel; zum Leidwesen von Anja, die sich nicht schnell genug in Deckung bringen konnte. Pardon! Nach sechsstuendiger Busfahrt - 2,5 h laenger als geplant - waren wir da...im Herzen der Nordinsel und am Rande des Tongariro Nationalparks. Die Postkarten verhiessen Wunderbares: schneebedeckte Vulkanegel, blaue und gruene Bergseen in bizarrer, roetlich-braun-grauer Lavalandschaft, Tupfer von goldenem Tussackgras...leider musssten wir uns mit den Postkartenansichten begnuegen. Nebel und Regen. Die Sicht schwankte zwischen 50 und 500 Metern...ein vielversprechender Start unserer letzten Fahrradetappe.

Lichtblicke... (Tongariro National Park - Gisborne)

Kinder (und Eltern) von Traurigkeit waren wir nie...Regen, Nebel, wat soll's! Da ist ein Bad im heissen Blubberpool doch doppelt schoen. Und was biete sich in einem Hostel mit Kletterhalle mehr an, als diese zu nutzen! Anderthalb Regentage ueberbruecken wir alle begeistert kletternd; noch dazu lernt Jona auf dem Fahrrad eines der Kinder der Hostelbetreiber aufsteigen, losfahren und abduesen - natuerlich stolz wie Oskar. Vielleicht sollten wir das Schreiben eines kleinen Breviers " Regentage erfolgreich und mit Spass nutzen! in Betracht ziehen :-)) Schweren Herzens mussten wir am kommenden Tag akzeptieren, dass Sonnenlicht auf den Fruehstueckstisch flutete...auf die Raeder! Starker Rueckenwind blies uns ueber die wllige Hochebene Richtung Norden. Regen und Sonne wechselten sich in halbstuendigem Tempo ab. Bis kurz vor unserer Hinabfahrt zum Lake Taupo, NZ's groesstem See, hofften wir immer noch auf ein Aufreissen des Himmels ueber den Vulkanen, doch diese hingen stets bis zu den Fuessen in den Wolken...so war denn der weite Blick auf den grossen See fast ueberraschend und ungewohnt fuer unsere Augen. Lake Taupo, Ueberbleibsel eines gigantischen Vulkanausbruchs vor einigen tausend Jahren, praesentiert sich windzerzaust. Die Strasse windet sich entlang des Ostufers des Sees und fuehrt uns nach Taupo. Dort geniessen wir die Gastfreundschaft von Wendy, einer Studienfreundin unserer Freunde aus Tokomaru Bay.

Mal Regen...
...mal Sonne!

Weiter ans Eastcape (Taupo - Gisborne)

Unsere letzten Fahrradtage liegen vor uns. Mit Wehmut blicken wir diesen entgegen, bedutet dies doch auch das Ende unseres Lebens nahe der Natur und des langsameren Reisens. Die verbleibenden 170 km fuehren uns von Taupo zurueck in die Welt des Eastcapes nach Whakatane. Dort lassen wir unsere Raeder auf einem Zeltplatz, auf dem wir vor 3,5 Monaten schon einmal naechtigten, und machen von hier einen Abstecher nach Tokomaru Bay zu Bill & Jan mit ihren 6 Kindern. Nachdem wir die letzten Monate in den touristischen Gegegnden NZ's verbracht hatten, koennen Anja und ich es kaum erwarten, nochmal zum Eastcape zu kommen, unsere Freunde wiederzusehen und ein bisschen Strandleben zu geniessen bevor wir uns zu unserer letzten Reisestation, zu unserem Abflughafen Auckland aufmachen. Kaum hatten wir die ersten Kilometer mit dem Bus Richtung Gisborne zurueckgelegt, dachten wir schon:"diese Strecke waeren wir gerne mit dem Rad gefahren!" Eine enge, kurvige Strasse entlang eines wilden Flusses, durch saftig gruenen Urwald...ohne Rad konnten wir uns die Vogelstimmen und Gerueche nur vorstellen. Anstatt drei Fahrradtagen drei Busstunden. Die Stimmen der Natur wichen dem Gemurmel der anderen Passagiere und dem Gesaeusel der KLimaanlage. Dennoch begannen unsere Herzen schneller zu schlagen, je naeher wir Gisborne kamen - Vorfreude auf das Wiedersehen und dieses seltsam schoene Gefuehl nach Monaten des Umherreisens an einen Ort zu kommen, der uns bekannt ist.

Haere Mai - Welcome back! (Gisborne - Tokomaru Bay)

Bill holt uns am Bus in Gisborne ab. Als haetten wir uns erst gestern das letzte Mal gesehen. Die anderthalb stuendige Fahrt nach Toko vergehet wie im Fluge. Muede sinken wir in die Kissen und freuen uns auf den naechsten Tag. Lara und Jona koennen es kaum erwarten, die Kinder der Hughes zu sehen, die Tiere zu fuettern, den Huehnern die Eier unter dem Hintern zu entreissen, Trampolin zu huepfen, zur Playgroup - einem elterninitiierten Spielkreis - zu gehen und endlich mal wieder zu basteln...Anja und ich geniessen einfach die entspannte Atmosphaere des Land-, Strand- und Familienlebens. Natuerlich warten auch wieder einige Erlebnisse der besonderen Art auf uns: ein Schwein wird geschlachtet und zerteilt, zusammen fahren wir zum Pferdesport - Parcoursreiten fuer Kinder, wo Lara und Jona auch einmal um die Stangen gefuehrt werden. Eine wochelang Grossfamilienleben. Die Kinder pfluecken Aepfel, Birnen, Zitronen, Tomaten und Kamokamo - eine Art Zucchini der Maori. Ich melke das erste Mal im Leben eine Kuh - um 5.30 Uhr morgens...das ist Urlaub! Warum ueberhaupt noch in der Stadt wohnen?

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...und hier gibt’s noch mehr Bilder.

'Unser' Landhaus in Tokomaru Bay