Januar (I)
ohne Worte...

Von Christchurch zurueck in die Berge...

Der Neujahrstag begann fuer uns mit dem letzten Glockenschlag des letzten Jahres auf dem Cathedral Square in Christchurch. Die Kinder waren begeistert vom zentralen Feuerwerk - private Knallerei ist hier nicht ueblich - und waren traurig als es vorbei war. Kaum eingeschlafen, mussten wir um 6 Uhr morgens auch schon wieder aufstehen, um den Bus zu kriegen, der uns durch die fahrradlich langweiligeren suedlichen Canterbury Plains an den Fuss der Berge bringen sollte. Zu flach in der Ebene; wir wollen Paesse!!!! :-)) Und die pflasterten unseren Weg in den kommeneden Wochen...Burke's Pass war fuer uns das Tor zu den Alpen. Kaum waren wir oben, erblicken wir die erste Bergkette im Spaetnachmittagslicht. Leider begruesste uns auch ein kraeftiger, trockener, foehnartiger Nordwestwind, der uns alle Schleimhaeute austrocknete und uns dazu zwang, unser Zelt frueher als geplant aufzuschlagen. Am naechsten Morgen Alpengluehen, schoen! Mit jedem Tritt kommen wir den Bergen naeher und aufeinmal ist er da: Mt. Cook - mit ueber 3700 m NZ's hoechster Berg - phantastischer Anblick! Warum? Glitzernder Schnee in der Sonne, gen Tal kriechende Gletscher, klare Luft, schoene Farben...da wacht Luis Trenker in fast jeder Seele auf, oder? Zelten direkt am See mit Panaramablick...kitschig-schoener Sonnenauf- und -untergang...das Farmland liegt hinter uns, wir dringen tiefer ins Touristenland ein. Und das Land der Wasserkraftwerke - NZ's Hauptressource zur Stromerzeugung; Grossprojekte haben den Landkartenzeichnern neue Arbeit gegeben...Windraeder koennten hier wie an vielen anderen Orten in NZ sicherlich auch ihren Teil beitragen...und vielleicht Radfahrern einen Teil des Gegenwindes nehmen :-)) An den folgenden Tagen radelten wir weiter gen Sueden, stets mit Blick auf die Alpenkette rechter Hand, und manchmal sogar auch mit etwas Rueckenwind gesegnet. Sehr trockene und ausgetrockente, grassbewachsene Ebenen - diese Gegend macht gerade die groesste Trockenzeit seit dem Beginn der Wetteraufzeichnung durch - wechseln sich mit Fahrten entlang von Stauseen oder Kanaelen ab, zwischendurch mal eine kleine "passliche" Herausforderung - gekroent vom Lindi's Pass mit 970 m. Wir springen in jedes Gewaesser, das eine Erfrischung verspricht. Einmal zelten wir sogar auf dem Gelaende einer Schule; Trampolin, Swimming Pool, Spielplatz - glueckliche Kinder! Kurz vor Wanaka erwischt uns ein derart starker Gegenwind, dass wir nach 5 km aufgeben und unser Glueck mit Trampen versuchen...zwei Autos bringen uns mit samt den Raedern und Gepaeck die verbleibenden 30 km nach Wanaka. Wir spueren unsere mueden Muskeln und freuen uns auf ein richtiges Bett!

Wanaka - unsere Insel der Ruhe in den Bergen

Wieder einmal wurden wir mit offenen Armen von Freunden unserer Freunde vom Eastcape empfangen; diesmal oeffneten uns Fiona und Andy mit ihren Kindern Micah und Jaydon ihr Haus. Selbst vielgereist, haben sich Fiona (urspuenglich von der Ostkueste der Nordinsel kommend) und Andy (aus der Schweiz) vor ein paar Jahren hier niedergelassen. Wanaka liegt mitten in den Bergen an einem grosssen See; entwickelt sich seit aber leider immer mehr zu einem der Touristenzentren in dieser Gegend. Dies fuehrt dazu, dass das ein oder andere oder auch mehr Motorboote ueber den See donnern; gluecklicherweise beschraenkt sich dies auf die Hochsaison zwischen Weihnachten und Ende Januar...Wir sind froh, mal wieder an einem Ort fuer ein paar Tage zu bleiben; eine gewisse Reisemuedigkeit ist auch aufgekommen. Die vielen Kommentare und Fragen, die wir natuerlich auf uns ziehen, schaffen wir auch nicht mehr immer mit Lust zu beantworten; Lara nervt die Fragerei schon seit einiger Zeit; nur an Jona scheinen diese Momente spurlos vorbeizugehen. Ueberhaupt ist es toll mitzubekommen, wie leicht Lara und Jona sich in neue Umgebungen einfinden, sich an neue Menschen gewoehnen, und letztlich beide enger zusammen wachsen - ein gutes Geschwisterteam!! So freuen sie sich auch meistens bei anderen Leuten mit Kindern zu bleiben, sei uns nur um mal wieder neue Spiele und Buecher in die Finger zu bekommen. Da gibt Lara selbst mal ihre Puppe aus der Hand...Von Wanaka aus unternehmen wir eine 2-taegige Huettenwanderung in den Mount-Aspiring-Nationalpark, wandern bei schoenstem Wetter hinein und entkommen am naechsten Tag dem nahenden Unwetter nur um Haaresbreite. Draussen sein, die Natur erleben, Pflanzen und Tiere beobachten, mit dem (nicht gegen das) Wetter leben macht Spaas und tut gut! Nach drei Tagen prickelt's uns schon wieder in den Fuessen...neue Routen rufen... Fiordland, unser naechstes Ziel. Aber wir kommen zurueck nach Wanaka...

auf der Wanderung zur Aspiring Hut
Geschafft!!

Einsamkeit auf dem Weg zu den Fjorden

Wir verlassen Wanaka bei Sonne und Regen. Vor uns liegt der hoechste Punkt unsere Reise: NZ's hoechste befestigte Strasse, der Crown Saddle (1067 m). Gluecklicherweise gehen wir den Pass von dieser Seite an...die Strasse windet sich zunaechst gemuetlich den Fluss, Bach, Rinnsal entlang, bevor wir dann die Extra-Turbo-Muskeln zuschalten muessen...oben erwartet uns ein Blick auf den in der Ferne liegenden Lake Wakatipu und? Natuerlich! Weitere Berge :-) Was fuer ungewoehnliche Namen haben die Orte, Seen, Fluesse hier nur...dem Maori entstammend finden sich meist auch interessante Legenden, die mit diesen Orten verknuepft sind. Lara und Jona koennen gar nicht genug davon hoeren! Beispielsweise ist der Lake Wakatipu durch einen verbrennden Riesen in Schlafstellung entstanden; das Feuer war so heiss, dass der Schnee der umliegenden Berge schmolz und das Wasser die durch das Feuer entstandene Vertiefung fuellte. Das Touristenzentrum Queenstown - hier werden saemtliche Spassaktivitaeten und adrenalinerhoehenden Zeitvertreibe von Bungijumping ueber Fallschirmspringen, Jetboating oder auch alles drei gleichzeitig angeboten - nehmen wir en passant und verlassen es per altem Dampfer. Dieser traegt uns auf die andere Seite des Sees, an den Beginn der Einsamkeit und das eine Ende einer 80 km langen Schotterstrasse. Wind, Schauer, Regenboegen, Sonnenstrahlen, eine traumhafte Bergkulisse (da ist sie wieder :-)) sorgen fuer ein phaszinierende Stimmung. Dem See den Ruecken kehrend, geht's weiter in Richtung Sueden durch's Weideland einiger weniger Farmen. Einmal versperren uns Schafe und Kuehe den Weg. Und wieder einmal schrauben wir uns 300 m hoeher, die Schotterstrasse macht es uns nicht leichter, doch die erklommene Hochebene macht diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis...Wasser bekommen wir nur noch aus den Baechen, die wir ueberqueren. Bis wir zu den Mavora Lakes kommen, haben wir vielleicht zwei Autos und einige Fahrradfahrer getroffen. Dort empfangen uns ein paar Neuseelaender, die nach Ruhe suchend auch hier gelandet sind, und Tausende von Sandfliegen...leider gibt es diese blutsaugende Spezies hier zur Genuege...nur Wind und Regen oder DDT versprechen hier Ruhe. Wir waehlen den Wind und stellen unser Zelt am windigsten Platz des Sees auf. Einer der kaeltesten Morgenden springt mir entgegen als ich aufwache: das ruft nach Lagerfeuer und Stockbrot...immer alles noetige dabei, um wenigstens eine kleine Koestlichkeit am Rande der Strasse zubereiten zu koennen; am Essen koennten wir sicherlich einiges an Gewicht sparen, aber in der Beziehung sind wir dann doch zu verwoehnt. Nach zwei Tagen erreichen wir dann wieder Asphalt; fuehlt sich gut an - seltsame Freuden entwickeln wir da...

Fiordland

Zurueck auf festem Untergrund erreichen wir den Lake Manapuri in klarstem Sonnenlicht und kochen einmal nicht selber, sondern verwoehnen die Kinder mit Fritten und Eis und uns alle mit Fisch und Blick auf den See. Immer nur Blicke auf Seen und Berge, ist das nicht langweilig? Oh nein! Schoen, schoener und noch schoener, am schoensten, verblendet!? Hier gibt es nicht nur sandflies, sondern auch Muecken...Am naechsten Morgen gehen wir auf Fjordtour: mit dem Boot ueber den See, mit dem Bus ueber NZ's teuerste Passstrasse an den Doubtful Fjord und wieder mit dem Boot den Fjord entlang - und das alles in 6 Stunden. Eigentlich haetten wir uns vorher denken koennen, dass dies etwsa viel in dieser kurzen Zeit ist...die Fahrt ueber den spiegelglatten See koennen wir noch geniessen, die Besichtung des 700-MW-Wasserkraftwerks, das wir durch in James-Bond-Manier wie von Geisterhand aufschwingende Gittertore und tief in den Berg fuehrende Felsentunnel erreichen, auch noch. Aber danach wird es langsam zu viel. Noch mehr sandflies begruessen uns am Fjord. Der Motor des Boots roehrt, wir brettern die 40 km zur offenen See, sehen ein paar Robben, leider keine Delphine (Jona ist tieftraurig), fahren etwas gemaessigter zurueck, doch am Ende droehnt uns allen der Kopf. Die Schoenheit des Fjords flitzte an uns vorbei, ohne dass wir Zeit hatten einen Teil dieser aufzusaugen...eine Kayaktour waere wahrscheinlich wunderbar hier. Wasserfaelle stuerzen durch den Regenwald; bis zu 8000 mm Niederschlag im Jahr sorgen fuer ausreichende Bewaesserung dessen. Etwas enttaeuscht kehren wir von diesem erhofften Highlight zurueck und freuen uns, dass wir mit dem Fahrrad hierher kamen; ein Tempo, das wir mit jeder Boots-, Auto- oder Busfahrt von Neuem schaetzen lernen.

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...und hier gibt’s noch mehr Bilder.

Doubtful Sound