Januar (II)
Jona waescht im Fluss ab - eine seiner Lieblingsbeschaeftigungen

Aus dem trockenen Hochland an die Westkueste

Abgesehen vom 6-Tage-Rennen findet Radfahren in der Regel draussen statt...so sind Wind & Wetter nicht nur staendiger Begleiter, sondern entscheiden auch ueber unsere Reiseroute oder unsere Aufenthaltsdauer. So verzoegerte sich unser Aufbruch aus Wanaka um einen Tag, da der vorherrschende Nordwind Regen und wenig lustvolles Radeln versprach. Umso groesser war die Freude darueber, dass wir in den naechsten Tagen bei unserer Alpenueberquerung wunderschoenes Sonnenwetter hatten; bewegten wir uns doch von einer der trockensten Regionen NZ's in einer der Feuchtesten - von Central Otago an die We(s)tcoast. So konnte auch der Uebergang, den die Pflanzenwelt bot, kaum gegensaetzlicher sein: trockenes Grasland wich alpinem und spaeter subtropischem Regenwald. Anfangs bewunderten wir noch jeden Wasserfall, doch bei einem derart inflationaerem Umgang mit diesem Gut wurden wir waehlerischer fuer welchen Wasserfall wir eines unserer Aah's oder Ooh's opfern wollten. So rollten wir nach der Ueberquerung des Haast Pass' entlang des Haast Rivers haaste nich geseh'n nach Haast (einen Haast Beach gibt's natuerlich auch...). Obwohl uns noch einige Wochen verbleiben, koennen wir uns dem Gefuehl nicht erwheren auf dem Rueckweg zu sein...schon seit wir mit Te Anau unseren suedlichsten Punkt erreicht hatten, heisst die grobe Fahrtrichtung wieder Norden, mit Endpunkt Auckland...

Die Westkueste hinauf - on the beaten track

Wenig Einwohner und Strassen fuehren zur Konzentration von Touristen auf bestimmten Routen, so auch an der Westkueste der Suedinsel. Waehrend wir auf der Nordinsel wesentlichmehr vom Leben der Neuseelaender mitbekamen, treffen wir hier mehr auf Reisende und fuehlen uns mehr denn je als "Betrachter" - wenn auch als Bewundernder und geniessender - der landschaftlichen Reize. Und diese werden hier in bester kapitalistischer Manier feilgeboten und ausgeschlachtet. Canyoning, abseiling (!), heli biking/hiking, quad bike safaris...um nur einige der Angebote zu nennen, ueber die man hier mittels bunter Prospekte in jeder Unterkunft und in jedem Cafe stolpert - zur Freude Jonas, der saemtliche Prospekte mit Tieren zum Ausschneiden mitnimmt. In schwachen Momenten schleicht sich selbst bei uns mal der heimliche Wunsch ein, uns per Helikopter auf einen Berg fliegen zu lassen, um mal die off-raod-Faehigleit unserer Raeder zu testen :-)); bisher schafften wir es jedoch dennoch zu widerstehen. So geniessen wir einfach die Fahrt auf dem 10 km breiten Streifen zwischen Meer und Bergen und freuen uns ueber einen einsam gelegenen Zeltplatz. Leider gesellen sich in der Regel einige Hundert beissende Sandfliegen zu uns, die nur vor Wind und Regen zurueckschrecken; der Naturgenuss steigt dadurch fuer uns natuerlich auch nicht. DDT-aehnliche Anti-Insekten-Mittel versprechen sandfly-freie Stunden...die Liste der Nebenwirkungen wirft die Frage auf, wem das Mittel mehr schadet.

...durch den Regenwald
Franz Josef Gletscher

Die Gletscher Fox und Franz Josef

Die wunderschoene Hinehukatere liebte die Berge. Ihr Liebhaber Tawe jedoch nicht so sehr. Bei einem ihrer gemeinsamen Ausfluege stuerzte Tawe zu Tode; die daraufhin fliessenden Unmengen an Traenen von Hinehukatere gefroren und bilden heute die beiden Gletscher Fox und Franz Josef; bei den Maori als "Ka Riomata o Hinehukatere" - die Traenen des Lawinenmaedchens - bekannt. Aehnliche romatische Maori-Legenden finden sich fuer viele Orte Neuseelands. Lara und Jona koennen von diesen Geschichten gar nicht genug bekommen. So verbiegen wir unsere Zungen und versuchen die Maori-Namen moeglichst authentisch auszusprechen. Die Orte Fox und Franz Josef sind in den vergangenen Jahren immmens - auf immerhin je 400 EW - gewachsen und zaehlen so zu den groesseren Orten der Westkueste. Beide leben ausschliesslich vom Tourismus. War vor zehn Jahren eine gefuehrte Gletscherwanderung das Non-Plus-Ultra, muss es heute ein Hubschrauberflug ueber die Gletscher inklusive einer Landung auf "echtem" Schnee sein. So reisst das Hubschraubergeknatter an schoenen Tagen nicht ab und nimmt dem Naturerlebnis doch einiges an Reiz. Die Gletscher sind spektakulaer schoen: aus ueber 3000 m Hoehe fliessen beide Gletscher bis auf 300 m ueber NN. Von Regenwald gesaeumt schlaengeln sich Pfade ueber die Gletschermoraene bis an den Gletschermund, aus dem ein milchig-gruener Fluss entspringt. Lara und Jona waren fasziniert von den Eismassen und insbesondere das Laufen auf dem unteren Teil des Gletschers war ein echtes Erlebnis. Jona moechte unbedingt mehr Gletscher begehen, wenn er gross ist :-))

Von Franz Josef nach Westport

Angesichts der Wettervorhersage - Regen und Nordwind - fuer die kommenden Tage verlassen wir die Gletscher per Bus gen Norden nach Greymouth, der groessten Stadt an der Westkueste. Der enge Landstrich zwischen den Bergen und der Kueste wird im Verlauf der Busfahrt immer weiter und der Regenwald weicht Weidekulturland. Milchproduktion bietet die Haupteinnahmequelle in diesem einsamen Landstrich. Ein grosser Kontrast zum Goldrausch vor 130 Jahren, als hier eine der groessten Saedte NZ's entstand; heute allerdings nur noch 15 EW zaehlend. Von Greymouth aus geht's weiter per Rad nach Westport mit Zwischenstopp in Punakaiki - das Tor zum Paparoa Nationalpark. Dieser zeichnet sich durch seine Kalksteinschluchten und -felsformationen (die bekanntesten sind die Pancake rocks - Pfannkuchenfelsen) und Regenwaelder aus. Dri Stunden wandern wir durch Regenwald und Schluchten, ueberqueren einen Bergruecken und waten durch einen huefttiefen Fluss; Jona immer auf der Suche nach Tieren. Zu seinem Leidwesen haben wir immer noch kein lebendes Opossum gesehen, sondern nur Massen an plattgefahrenen. Die Pancake Rocks sind wieder eines der vielen "Naturwunder" der Suedinsel, die erst durch uebermaessige Bewerbung dazu avancierten. So teilen sich diese Plaetze Scharen von Wohnmobilen und Busladungen von Touristen, die uns eher das Gefuehl vermitteln, zur Zeit der Rushhour in Auckland zu sein. Ein schoenes Hostel mit Freiluftwhirlpool und Blick auf's Meer bietet uns einen willkommenen Rueckzugsort, um Plaene fuer die verbleibende Zeit zu schmieden. Unter anderem moechten wir nochmal ans Eastcape zu unseren dortigen Freunden zurueckkehren...Lara und Jona huepfen in den Wellen herum, sammeln Muscheln, bauen Snadburgen und vergessen darueber ihren derzeit oefter artikulierten Wunsch nach Koelle zurueck zu wollen. Witzigerweise treffen wir gerade hier auf eine Frau, die nur ein paar Strassen von unserem Koelner Domizil entfernt wohnt.

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...und hier gibt’s noch mehr Bilder.

Gluecklich am Strande!