November (II)
Jon beim Knochenschnitzen

Ein ganz normaler Tag...

begann wie ueblich: Zusammenpacken und Fahrraeder beladen. Zwischendurch fragen wir uns manchmal, wieviel Zeit wir mit ein- und auspacken verbringen...und was koennten wir alles in dieser Zeit machen!? Vielleicht haette auch die Haelfte an Gepaeck gereicht? Aber genug des Philosophierens. Schliesslich hatten wir noch gute 50 km und einige hundert Hoehenmeter vor uns und wussten auch noch nicht, wo wir heute uebernachten wuerden. So krochen wir mit 5 km/h die Huegel hinauf und flitzten diese mit bis zu 60 Sachen wieder hinunter. Nachdem wir gerade die letzte Abfahrt genossen und die Wasserflaschen im Dorfpub aufgefuellt hatten, ueberholte uns ein Rennradfahrer. Nach kurzem Austausch im Fahren, bot er uns an, bei seiner Familie im naechsten Ort unser Zelt im Garten aufzuschlagen; wir sollten nur noch Jon fragen...Jon und seine Frau Mihi boten immer mal wieder Radfahrern ihre Gastfreundschaft an; "wenn wir schon selber nicht rauskommen, muessen wir uns die Welt wenigstens ins Haus holen!" Anfangs war uns selber nicht so bewusst, auf was wir uns einliessen bzw. was uns erwarten sollte...und am naechsten Morgen als wir weiter radelten, merkten wir erst, wie eindrucksbeladen wir waren. Anja hatte den Abend mit Mihi erzaehlend in der Kueche verbracht, viel ueber Maoris in Neuseeland und Jon und Mihis Leben erfahren; ich hatte einen Schnellkurs im "bone carving" - der traditionellen Knochenschnitzkunst - bekommen. Zwei Lebensgeschichten mit viel auf und ab. Was bleibt ist viel positive Ausstrahlung...schwer in Worte zu fassen, aber wunderbar zu erfahren, insbesondere wenn durch die Fremde reisend.

Maori - der "Normale"

So bezeichneten sich die Ersteinwohner NZ's, um sich von den ankommenden Europaeern zu unterscheiden. Diese nannten sie pakeha, ein Begriff, der wie viele andere Ausdruecke aus der Maori-Sprache, Eingang in das neuseelaendische Englisch gefunden hatte. Fuer uns ist jedoch nichts "normal"; viel zu wenig wissen wir ueber Leben und Kultur der Maoris, Mythologien, Geschichte sowie das Heute und das Leben von Traditionen in der heutigen Welt...so unerwartet unser Eintauchen in diese andere Welt durch das Kennenlernen von Jon und Mihi war, umso weniger verwunderlich war es, dass dies am Eastcape geschah...

Besuch in Bill's Schule

Tokumaru Bay - hier bleiben wir!

In Tokumaru Bay (liebevoll "Toku" genannt) am Eastcape sollte sich unsere Reise veraender - an einer Lebensveraenderung sind wir nur kurz vorbeigeschliddert :-). 200 km westlich von dort fing "alles" an; an einem Geldautomaten lud uns eine 9-koepfige Familie ein, bei ihnen zu uebernachten...vier mehr oder weniger, wat soll's! Nach einem Einblick in das Leben einer recht religioesen Famile, die ihre Kinder zuhause selber unterrichten (statt Schule besteht in NZ die Moeglichkeit des "homeschoolings" - eine vollstaendige Schulbildung bis zum Abschluss per Post) und ausgestattet mit Adressen von Freunden ging's am naechsten Tag weiter. Eine befreundete Familie waren Jan & Bill nebst 6 Kindern aus Toku.Sie bewohnten eine kleine Farm mit Schafen, Kuehen, Schweinen, Huehnern, Pferden...und oeffneten uns ihre Haus als seien wir alte Freunde. Anfangs fuer 3 Tage geplant, blieben wir 10. Lara und Jona waren gluecklich und tauchten in der Kinderschar unter...Tiere fuettern, Karten spielen, gemeinsames Lernen von Englisch und Deutsch, Trampolin springen (erstaunlkicherweise findet sich bei fast jeder Familie ein Trampolin im Garten.), in der Dorfspielgruppe malen und basteln (endlich mal wieder! Ganz in ihrem Element), am Strand Staudaemme bauen, kurz: einfach zuhause sein! Uns ging's aehnlich. Insbesondere die 4 Tage, an denen wir das Haus fuer die Hughes-Familie hueteten, liessen uns frische Luft fuer die naechsten Wochen unsere Reise schnappen. So wurden wir nicht nur wie selbstverstaendlich in den Familienkreis eingefuehrt, sondern auch noch in das Dorfleben.

Tokumaru Bay - Abschied oder was haelt uns?

Je laenger wir an diesem Ort bleiben, umso leichter fiele es uns noch laenger dort zu weilen...trotzdem wir in einem Haushalt mit 4 Erwachsenen und 8 Kindern leben, klappt das Zusammenleben erstaunlich gut. Natuerlich picken wir uns auch eingie Sahnehaeppchen aus dem Leben heraus: einen Abend verbringen Frank und Jona auf der Mole und kommen mit 5 Langusten nach Hause, Anja und Lara machen Ausritte auf den Pferden...wir besuchen Tom & Maud, die Interesse an erneuerbaren Energien fuer ihre neue Farm haben (Arbeit gaeb's hier...:-)) und enden angelnd am Strand. Wir besuchen Bill's Schule (er ist Schulleiter einer bilingualen Maori-Englisch Grundschule) und werden von den Kindern mit Fragen beworfen; wir werfen zurueck und singen ihnen " der Kuckuck und der Esel", John, der Dorfpolizist, nimmt uns mit auf einen Schulausflug der oertlichen Maori-Grundschule, den er begleitet. Ziel: eine Kultstaette auf 1000m Hoehe, wo es moderne Maori-Schnitzereien gibt. Verbringen einige Stunden mit ihm, seiner Frau Andrea und ihren 4 Jungens. Und letztlich bieten sie uns an, eines ihrer Autos zur Weiterreise zu nutzen...der Abschied faellt schwer.

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...und hier gibt’s noch mehr Bilder.

Lara reitet bei den Hughes - im Hintergrund die Farm